Böblinger Seniorinnen bei Team-WM in der Türkei erfolgreich

Erschienen in der Kreiszeitung Böblinger Bote am 30.10.2014. VON MICHAEL STIERLEimg_11372782L_13_wir-kennen-uns-schon-lange-unternehmen-auch-privat-viel-miteinander

Die Tennisabteilung der SV Böblingen ist mit ihrer enormen Leistungsdichte von Jung bis Alt längst zum Vorzeigeklub geworden. Auch in Deutschland. Für weitere Erfolge sorgten vier Seniorinnen bei der Team-Weltmeisterschaft.

BÖBLINGEN. Die Schlagzeilen über die Türkei sind derzeit eher bedrückend. Die Kurdenproblematik und die blutige Schlacht um die grenznahe Stadt Kobane in Syrien, die von radikalen Islamisten eingekesselt ist, erfüllen die Welt mit Sorge. In Manavgat, WM-Austragungsort zwischen Antalya und dem Urlaubsort Side, direkt an der Ägäis, war davon kaum etwas zu spüren.

63 Tennisplätze, Rundum-Versorgung im Ali Bey Club und Temperaturen, die sogar noch zum Baden im Meer einluden – ein bisschen Urlaubsfeeling schwang während der WM immer mit. „Wir haben das genossen“, gibt Christel Knapp, Mitglied des vierblättrigen Böblinger Kleeblatts, gerne zu.

Bereits Ende März entschied sich, wer die deutschen Farbe vertreten durfte. „Maßgebend ist die aktuelle Rangliste zu dem Zeitpunkt“, erklärt Christel Knapp, die in Neuffen wohnt und – mit kurzer Unterbrechung bei der TA TV Nellingen – seit über 20 Jahren Mitglied der TA SV Böblingen ist. Die ersten zehn werden angeschrieben, das letzte Wort hatte Mannschaftsführerin Heidi Orth aus Ettlingen, früher ebenfalls eine bekannte und heute immer noch erfolgreiche Tennisspielerin. „Für mein Empfinden müsste man die deutschen Meistersch
aften abwarten“, sagt Christel Knapp, „aber wahrscheinlich geht’s nichts anders, weil man die Flüge buchen muss.“ Verschiebungen in der Rangliste sind zwischen April und Ende Juni immer mal drin, für sie hätte eine spätere Nominierung keine Rolle gespielt. Denn bei der DM in Bad Neuenahr wurde sie zusammen mit ihrer Vereinskameradin Hanne Eckert Zweite im Doppel und Dritte im Einzel.

In der Regionalliga auch mal gegen über 20 Jahre jüngere Gegnerinnen

Es war die Fortschreibung einer langen Erfolgsliste bei deutschen Titelkämpfen und Europameisterschaften, in der Halle und auf dem Feld. Allein in den vergangenen zwei Jahren kamen vier erste, drei zweite und zwei dritte Plätze dazu. Eine Aufzählung, die der 72-Jährigen gar nicht so recht ist, weil sie um ihre Person überhaupt kein Aufhebens macht. Erst recht nicht in der Türkei, wo immer zwei Einzel und ein Doppel anstanden. „Wir sind dort als Team aufgetreten“, betont sie, wobei sie vorwiegend im Doppel eingesetzt wurde. Nach drei Siegen der deutschen Damen 70 gegen Schweden (3:0), Norwegen (3:0) und die Niederlande (2:1) gab’s im Halbfinale gegen England das nächste 2:1. Im Endspiel gegen Frankreich, zuvor Sieger gegen die USA, stand’s nach den beiden Einzeln 1:1, das Doppel entschied für Deutschland. „Die Besten der Welt waren da“, weiß die Böblingerin diesen Triumph bei aller Bescheidenheit richtig einzuschätzen.

Mit ihren 72 Jahren ist sie noch immer topfit, gibt daheim in Neuffen sogar zwei- bis dreimal in der Woche Tennisunterricht für Kinder. „Und das trotz neuem Kniegelenk“, sagt sie. Vor drei Jahren musste sie unters Messer, heute kann sie wieder springen, als wäre nichts gewesen. Im Sommer fährt sie auch ganz gerne die rund 40 Kilometer in den Böblinger Zimmerschlag, um zusammen mit ihren Mannschaftskameradinnen ein paar Bälle zu spielen. In der Sommersaison war sie bei den Damen 50 in der Regionalliga aktiv – als 72-Jährige wohlgemerkt. Da kann es schon mal passieren, dass auf der anderen Seite eine Spielerin steht, die über 20 Jahre jünger ist. Gewonnen hat sie trotzdem alle ihre Einzel. „Ich bin eben eine Taktikerin“, sagt sie mit einem Lächeln. „Ich sehe die Schwächen meiner Gegnerin und versuche sie konsequent auszunutzen.“ Mannschafts-Weltmeisterin in der Türkei wurde sie zusammen mit ihrer Vereinskameradin Hanne Eckert, Ileana von Onciul, die frühere Abteilungsleiterin der „TA-BB“, wurde Zweite mit den Damen 75, Christine Hameister Fünfte mit den über 65-Jährigen. „Wir kennen uns schon lange, unternehmen auch privat viel miteinander“, so Christel Knapp über das starke Böblinger Tennis-Quartett. „Wir vertragen uns ganz einfach.“