PACIFIC Open: Lieber gutes Abi als noch mehr auf dem Platz

PACIFIC Open 2013Erschienen in der Kreiszeitung Böblinger Bote

Kein Fluchen, kein Hadern, sondern nur ein Glückwunsch und ein ehrliches Lob für den Gegner. Auch Verlieren will gelernt sein. Dennis Seitz zeigte Stil, nachdem er im Halbfinale bei den Pacific Junior Open auf der Böblinger Tennisanlage im Zimmerschlag ausgeschieden war.

Der Lokalmatador der Tennisabteilung der SV Böblingen musste sich glatt mit 1:6, 3:6 dem Nagolder Kevin Andrusch geschlagen geben. Der Spieler vom TC Nagold gewann anschließend auch das Finale der U21-Konkurrenz, sozusagen der Seniorwettbewerb dieser von 270 Spielern besuchten Nachwuchsveranstaltung.

„Wenn ich richtig fit gewesen wäre“, ist sich Seitz sicher, „wäre es enger geworden.“ Schon ein paarmal ist er bei Turnieren auf Andrusch getroffen. Da war es vom Ergebnis her immer umkämpft. „Und ich hab‘ auch schon mal knapp gewonnen gegen ihn“, erinnert sich der 17-Jährige.

Aber diesmal waren die Voraussetzungen eben denkbar schlecht. Sechseinhalb Stunden war Dennis Seitz am Vortag auf dem Platz gestanden, hatte zunächst in der zweiten Runde seinen Vereinskameraden Lukas Tvrdon in zwei langen Sätzen niedergekämpft und anschließend in einem Drei-Satz-Match den immerhin zwei Jahre älteren Gärtringer Tim Röhr in die Knie gezwungen. „Ich bin um 21 Uhr wie tot ins Bett gefallen“, war Seitz mit den Kräften am Ende.

Zwölf Stunden Schlaf können Wunder bewirken. Als der Böblinger am nächsten Morgen um halb elf in sein Halbfinale gegen Kevin Andrusch ging, waren die Beine zwar immer noch nicht richtig locker, aber Seitz stellte sich, mit viel Kampfgeist ausgerüstet, dem laufintensiven Grundlinienspiel seines Gegners. „Mit der Zeit wurde es sogar besser“, lief sich der SVB-Spieler die Müdigkeit ein wenig aus dem Körper. Doch auch eine Steigerung im zweiten Satz reichte für Seitz nicht, um den frischer wirkenden Widersacher noch einmal ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

„Natürlich ist man nach einer Niederlage enttäuscht“, sagt Dennis Seitz, „aber wenn der andere gut gespielt hat und man selber mit seinem Spiel nicht wirklich unzufrieden war, dann fällt es leichter, so etwas zu akzeptieren.“ Die Gefühlswelt des Böblingers war deshalb schon bald wieder in Ordnung. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Abschneiden hier. Ich hatte vorher keine hohen Erwartungen. Umso besser ist es dann gelaufen“, sagt er. Immerhin stieß er als Ungesetzter und Vertreter des jüngsten Jahrgangs unter 44 Teilnehmern der U21-Klasse bis unter die besten vier dieses nicht unbedeutenden Turniers vor.

Niederlage leichter zu akzeptieren, wenn der Gegner gut gespielt hat

Dennis Seitz ist, seit er mit drei Jahren erstmals das Racket schwang, mit Enthusiasmus und Ehrgeiz bei der Sache – aber alles hat auch seine Grenzen. Leistungsklasseneinstufungen oder Ranglistenplätze haben für ihn „keine übermenschliche Wichtigkeit“. Ihm ist es viel mehr von Bedeutung, sein Spiel immer weiterzuentwickeln und besser zu werden, vor allem aber Spaß beim Tennis zu haben. Drei- bis viermal die Woche im Sommer und dreimal während der Winterzeit steht der 17-Jährige auf dem Tennisplatz. Eigentlich kein schlechtes Trainingspensum. „Aber doch zu wenig, um wirklich ganz nach oben zu kommen“, ahnt Dennis Seitz, der in der TA-BB-Talentschmiede von Nils Muschiol, Peter Zuleck und auch seinem Onkel Thomas Körber angeleitet wird. „Die Trainer sagen, ich hätte das Talent dazu, aber die Schule ist mir einfach wichtiger“, hat Seitz Prioritäten gesetzt. Der Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums kommt nach den Sommerferien in die zwölfte Klasse. „Ich will ein gutes Abitur machen“, stellt er sich auf zwei intensive Schuljahre ein. In dieser Zeit wird Tennis wohl nicht viel mehr als ein wichtiger Ausgleich sein.

Wie es nach der Schule mit ihm weitergeht, weiß Dennis Seitz im Moment noch nicht genau. Studium oder doch eine Ausbildung – „ich habe noch nichts Konkretes im Kopf“, bekennt der Böblinger, der gegenüber den meisten Mitschülern den Vorteil besitzt, schon jetzt eine Fremdsprache fast perfekt zu beherrschen. Fünf Jahre lang hat er in Amerika gelebt, ist folglich mit Englisch groß geworden. Zwischen 2004 und 2009 weilte Familie Seitz aufgrund des beruflichen Engagements von Vater Volker in Tuscaloosa im Südosten der USA. „Von den Turnieren her war da fast mehr geboten als bei uns hier“, vergleicht Dennis Seitz, „weil aufgrund des warmen Klimas quasi ohne Winter das ganze Jahr draußen gespielt werden konnte.“ Als Neunjähriger ist er als Finalist eines US-State-Turniers sogar mal in den lokalen Schlagzeilen gewesen.

Mit Tennis richtig Geld verdienen zu können, wäre für Dennis Seitz „eine coole Sache“. Aber an die Möglichkeit, als Profispieler durchs Leben zu tingeln, verschwendet er keinen ernsthaften Gedanken. „Dazu“, glaubt er, „bin ich wohl auch schon zu spät dran.“