Großer Bericht über Christel Knapp in der Böblinger Kreiszeitung

Auch mit 75 Jahren noch fit wie ein Turnschuh: Christel Knapp lässt sich durch nichts vom Tennisplatz fernhalten Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Kreiszeitung Artikel vom 03. März 2017 von Jenny Spitzer

„Ich liebe einfach alles, was mit Bällen zusammenhängt“ – Christel Knapp von der TA SV Böblingen gewinnt DM

Christel Knapp lässt sich durch nichts vom Sportplatz fernhalten. Auch nicht durch ihr Alter. Mit 75 Jahren spielt die gebürtige Emmendingerin nach wie vor Tennis für die TA SV Böblingen. Und wurde zuletzt sogar deutsche Meisterin ihrer Altersklasse.

„Ich war schon immer lieber auf dem Sportplatz als sonst irgendwo“, erzählt Christel Knapp. Angefangen hat sie mit Leichtathletik und Handball. Mit 14 Jahren kam dann Tennis dazu. Allerdings ohne Trainer: „Die Ballkinder haben mir beigebracht, wie man mit dem Schläger umgeht.“ Später trat sie dann dem Emmendinger Tennisclub bei und feierte dort bereits erste Erfolge bei den südbadischen Jugendmeisterschaften.

Da drei Sportarten dann aber doch zu viel waren, musste Knapp sich irgendwann von einer trennen. Sie blieb dem Tennis und der Leichtathletik treu. Bis es sie beruflich nach Stuttgart verschlug. „Ich musste zwischen Leichtathletik und Tennis wählen – und habe mich für das Tennis entschieden“, meint die ehemalige Sekretärin. Diese Entscheidung zahlt sich heute aus, denn Tennis kann man auch noch im hohen Alter spielen.

Die Bewegung und der Reiz des Wettkampfes haben es ihr einfach angetan. Auch nach all den Jahren ist Knapps Faszination für den Sport groß: „Selbst wenn man hinten liegt, kann man noch gewinnen.“

Am meisten Spaß machen die Mannschaftsspiele

Und gewonnen hat die sportliche Seniorin oft. 2002 wurde sie Dritte bei der Senioren-Weltmeisterschaft der Damen in Österreich. 2003 holte sie mit der Mannschaft den WM-Titel. Ganz zu schweigen von den vielen gewonnenen deutschen Meisterschaften. Die Mannschaftsspiele sind es auch, die Christel Knapp am meisten Spaß machen: „Normalerweise spielt man ja für sich allein, aber da kämpft man für das ganze Team.“ Besonders den Zusammenhalt genieße sie dabei.

Bei der TA SV Böblingen fühlt sich die rüstige Tennisspielerin mittlerweile auch sehr wohl. Dabei fand ihr Wechsel vom TC Doggenburg dorthin nur altersbedingt statt. Denn Doggenburg hat keine Seniorenmannschaft. Und alle fünf Jahre kommt man schließlich in eine neue Altersklasse, wo man gegen Gleichaltrige antritt. „Gegen 40-Jährige gewinne ich ja inzwischen nicht mehr“, schmunzelt Knapp.

Mit dem neuen Kniegelenk geht es sogar noch besser

In Böblingen ist sie aber zufrieden. „Wir sind mit der Regionalliga Südwest schließlich in der höchsten Liga und werden auch nicht absteigen“, meint die Südbadenerin stolz. Dafür nimmt sie auch die Strecke von ihrer Heimat Neuffen in den Zimmerschlag in Kauf. In Neuffen spielt übrigens auch einer ihrer beiden Söhne Tennis. Die Leidenschaft hat sie also weitergegeben.

Ein bisschen zurückgeschraubt hat Christel Knapp ihre Aktivität aber doch. Inzwischen trainiert sie nur noch einmal die Woche und gibt nebenbei Jugendtraining. Damit will sie auch weitermachen, solange ihr Körper mitmacht.

Denn wie sehr ihr der Sport fehlen würde, musste Knapp bereits feststellen. Mangels Spielerinnen gab es bei der TA SV Böblingen auch mal für fünf Jahre eine Unterbrechung in Knapps Altersklasse. Außerdem ereilte die Sportlerin Mitte der 90er Jahre ein Schicksalsschlag: Aufgrund einer schweren Krankheit erhielt sie die ärztliche Diagnose, nie wieder Tennis spielen zu können. „Ich hab‘ den Rat aber ignoriert und festgestellt, dass es sehr wohl geht. Und zwar mit größerem Erfolg als vorher“, freut sich Knapp. Auch von einer Operation am Knie vor fünf Jahren ließ sie sich nicht ausbremsen. Im Gegenteil: Mit dem neuen Gelenk geht es sogar noch besser.

„Man muss sich im Alter schließlich fithalten“, meint Knapp. Deshalb fährt sie nebenher auch Fahrrad und geht fleißig ins Fitnessstudio. Am liebsten waren ihr aber schon immer Ballsportarten: „Ich liebe einfach alles, was mit Bällen zusammenhängt.“ In Stuttgart stand deshalb früher sogar noch Basketball auf dem Programm. Treu geblieben ist sie aber letzten Endes nur dem Tennis.